Produktmanager*innen führen ohne Weisungsbefugnis zum Produkterfolg
Du trägst die volle Verantwortung für den Produkterfolg. Aber du hast keine einzige Person, die dir formal unterstellt ist. Kein Engineering-Team, das du anweisen kannst. Kein Design-Lead, der dir berichtet. Kein Sales-VP, der deine Roadmap befolgen muss.
Willkommen im Paradoxon des Produktmanagements.
Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: 77% der leistungsstarken Produkte sind erfolgreich aufgrund geschickter Führung ohne formale Macht. Gleichzeitig scheitern 86% aller Projekte an mangelnder funktionsübergreifender Zusammenarbeit, nicht an fehlenden Ressourcen oder schlechter Technologie, sondern daran, dass Menschen nicht zusammenarbeiten.
Das ist deine tägliche Challenge: Sich Gehör verschaffen. Teams orchestrieren. Ein Produkt bauen, das nicht nur zufriedenstellt, sondern begeistert. Ohne ein einziges Mal sagen zu können: „Das ist eine Anweisung.“
Genau hier kommt laterale Führung im Produktmanagement ins Spiel, die Kunst der Überzeugung, ohne hierarchische Macht durch Vertrauen, Expertise und Überzeugungskraft zu führen. Kombiniert mit agilen Prinzipien wird sie zum kraftvollsten Werkzeug für Produktmanager*innen.
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Mehr InformationenWas ist laterale Führung im Produktmanagement?
Laterale Führung im Produktmanagement ist kein trendy Managementbegriff. Es ist eine praktische Notwendigkeit in der modernen Produktentwicklung.
Definition: Laterale Führung im Produktmanagement bedeutet, Menschen zu bewegen ohne hierarchische Macht, durch Vertrauen, Expertise und Überzeugungskraft auf Augenhöhe.
Im Unterschied zur klassischen hierarchischen Führung, wo dein Titel die Tür öffnet, funktioniert laterale Führung im Produktmanagement anders. Sie basiert auf drei Säulen:
- Vertrauen statt Kontrolle: Deine Glaubwürdigkeit entscheidet, ob Menschen dir folgen
- Überzeugungskraft statt Anweisung: Du erklärst das „Warum“, statt Befehle zu erteilen
- Expertise statt formale Autorität: Dein Wissen und deine Erfahrung machen dich zur Führungskraft
Das Konzept existiert seit den 1960er Jahren als Reaktion auf die Erkenntnis, dass gutes Betriebsklima der wichtigste Faktor für zufriedene Beschäftigte ist. Aber in der modernen Produktentwicklung ist es kritischer geworden: Matrixorganisationen, funktionsübergreifende Teams, schnell wechselnde Prioritäten, das alles verlangt von dir, dass du ohne hierarchische Macht führst. Führen ohne Führungsverantwortung wird zur Kernkompetenz.
Warum das für Produktmanager*innen zentral ist
Als Produktmanager:in sitzt du an einer einzigartigen Schnittstelle. Du verstehst die technischen Einschränkungen von Engineering (Skalierbarkeit, technische Schulden), die Design-Philosophie der UX-Abteilung (User Experience, Brand Consistency), die Sales-Realität(Kundenbedürfnisse, Verkaufsziele), die Marketing-Chancen (Markttrends, Positioning) und die Customer Success-Herausforderungen (Onboarding, Retention).
Aber formale Weisungsbefugnis? Keine. Du kannst dem Engineering-Chef nicht befehlen „Macht das Feature jetzt.“ Du kannst Design nicht anweisen, Schnelligkeit über Perfektion zu stellen. Du kannst den Sales-VP nicht zwingen, sich an die Roadmap zu halten.
Das ist das Paradoxon: Verantwortung ohne Macht.
Und doch: 67% der Produktmanagement-Teams priorisieren funktionsübergreifende Zusammenarbeit als strategischen Erfolgsfaktor. Die Unternehmen haben erkannt, dass deine Fähigkeit, ohne Weisungsbefugnis zu führen, entscheidend für den Produkterfolg ist. Führen ohne Führungsverantwortung ist keine Option mehr, sondern Pflicht.
Das Currency Exchange Model: Wie Einfluss wirklich funktioniert
Die Forschung von Allan Cohen und David Bradford zeigt: Einfluss ist kein magisches Talent. Es ist ein Handelsmodell.
Statt „Ich befehle dir“ funktioniert es wie ein Austausch:
- Du bringst: Klarheit über die Produktvision, Zugang zu Kundendaten, Entlastung von Stakeholder-Verwaltung
- Du erhältst: Engineering-Support für deine Features, Design-Priorisierung, Sales-Alignment
Dieser Austausch funktioniert nur, wenn beide Seiten vertrauen, dass der andere es ernst meint. Laterale Führung im Produktmanagement bedeutet nicht, dass du weniger führst, nur dass du anders führst. Du bewegst Menschen nicht durch Befehle, sondern durch Beziehung.
Warum Produktmanagement eine Leadership-Funktion ist
Produktmanagement ist eine Leadership-Rolle. Punkt. Nicht nur ein „koordinierender Job“ oder eine „Support-Funktion für Engineering.“
Du bist nicht Projektmanager*in (das ist eine operative Rolle). Du bist nicht Business-Analyst*in (das ist eine Analyse-Rolle). Du führst. Du setzt Richtung. Du triffst Entscheidungen, die Millionen in Entwicklung kosten oder Kundenabgang verhindern.
Die drei Dimensionen deiner Leadership-Rolle
- Visionen-Setzer*in: Du definierst, warum wir dieses Produkt bauen. Nicht nur das „Was“ (Features) oder das „Wie“ (Technologie), sondern das tiefere „Wozu“, welches Problem lösen wir wirklich?
Beispiel: Nicht „Wir bauen ein Dashboard“ (Feature-Sicht), sondern „Unsere Nutzer*innen müssen in 30 Sekunden sehen, ob ihre Kampagne läuft oder nicht“ (Vision).
- Entscheider*in unter Unsicherheit: Du stellst dir täglich Fragen wie: Welche 3 Features aus 20 möglichen bauen wir? Welche technische Schuld nehmen wir in Kauf? Welcher Markt ist reif, welcher noch zu grün? Wann pivotieren wir, wann spielen wir eine Strategie zu Ende? Diese Entscheidungen ohne alle Informationen zu treffen, das ist Leadership.
- Zusammenhalt-Schaffer*in: Du bringst Menschen mit völlig unterschiedlichen Prioritäten zum gleichen Ziel: Engineering will technische Schulden reduzieren, Sales braucht Features für Deals, Customer Success kämpft mit Fehlern in der Produktion, Marketing will Innovation für Kampagnen.
Du schaffst den Raum, in dem diese verschiedenen Welten sich verstehen und zusammenarbeiten. Das ist Führen ohne Führungsverantwortung durch die Kunst der Überzeugung
Die größten Herausforderungen für Produktmanager*innen ohne Weisungsbefugnis
Laterale Führung im Produktmanagement klingt in der Theorie elegant. In der Praxis ist sie verdammt hart. Du sitzt in Meetings, in denen drei Führungskräfte drei verschiedene Prioritäten haben, und du musst sie versöhnen. Ohne dass dich einer formal gehorchen muss.
Challenge 1: Sich Gehör verschaffen
Engineering will die Datenbank umstrukturieren (3 Sprints). Sales braucht ein Feature für einen Deal (3 Sprints). Marketing plant eine Kampagne mit Features, die du noch gar nicht versprochen hast.
Wer hört auf dich? Keiner. Nicht formal. Engineering-Lead ist dein Peer. Sales-VP hat Budget und Zugang zum CEO. Marketing-Director hat eine Millionen-Kampagne.
Du brauchst Glaubwürdigkeit jenseits deines Titels. Rollenklarheit ist die Nummer 1 Herausforderung in Product Ops, oft ist unklar, wo deine Entscheidungsbefugnis endet. In Matrixorganisationen verstärkt sich das exponentiell.
Konkrete Taktik: „Stakeholder Visibility Check“
Bevor du eine Entscheidung triffst: Wer könnte das später blocken? Liste Namen auf, identifiziere ihre Ängste, baue frühe Checkpoints ein. Beispiel: Vor einem API-Refactor holst du den Principal Architect ins Boot, als Mitgestalter, nicht um Erlaubnis. Jetzt ist es nicht „Produktmanagement fordert“ sondern „wir haben gemeinsam entwickelt.“
Challenge 2: Teamzusammenarbeit fördern
Dein Team hat gegensätzliche Ziele: Engineering will stabilen Code und Refactoring-Zeit, Sales braucht Features für Deals, Customer Success will stabile Versionen ohne Breaking Changes, Marketing will Innovation für Kampagnen.
Jede Perspektive ist legitim. Jede wird zu Silodenken, wenn unkontrolliert.
86% der Projektfehlschläge: mangelnde funktionsübergreifende Zusammenarbeit. Nicht Ressourcen, nicht Technologie, Zusammenarbeit. Hier zeigt sich, warum agiles Arbeiten im Team so wichtig ist.
Konkrete Taktik: Gemeinsames Ownership
Schaffe Voraussetzungen, dass das Team Konflikte gemeinsam löst: Regelmäßige synchrone Meetings, gemeinsame Kennzahlen (nicht „Engineering trackt Quality, Sales trackt Revenue“), frühe Einbindung, transparente Kompromisse. Agiles Arbeiten im Team bedeutet gemeinsame Verantwortung statt Silos.
Challenge 3: Produktbegeisterung statt nur Zufriedenheit
Wie sorgst du dafür, dass Teams nicht nur Anforderungen abhaken, sondern Produkte bauen, die begeistern?
Du kannst Begeisterung nicht verordnen. Aber du kannst Voraussetzungen schaffen: Wenn Engineering die Vision versteht, nicht „Sales braucht das“ sondern „Nutzer*innen lösen damit Problem X“, arbeitet es anders. 93% der agilen Unternehmen berichten von verbesserter Kundenzufriedenheit, weil agiles Arbeiten im Team gemeinsames Verständnis für Kundenwert entwickelt.
Challenge 4: Entscheidungen durchsetzen
In hierarchischen Organisationen entscheidet dein Boss. Du musst anders: Begründen mit Daten und Kundeninsights, Gegenseite verstehen und echte Einschränkungen identifizieren, Kompromisse finden, die besser sind als der ursprüngliche Konflikt.
71% der Führungskräfte stehen 2026 unter erhöhtem Stress. 40% erwägen Jobwechsel, kognitives Navigieren zwischen Widersprüchen ohne klare Mechanismen ist erschöpfend.
Konkrete Taktik: Decision Journals
Dokumentiere Entscheidungen mit Begründung. Das hilft dir, klar zu priorisieren, anderen, deine Logik zu verstehen, und später, zu lernen. Die größte Herausforderung im Produktmanagement ist nicht die Technik, es ist, Menschen ohne formale Macht zum gleichen Ziel zu führen, während du selbst permanent zwischen gegensätzlichen Anforderungen navigierst. Führen ohne Führungsverantwortung erfordert die Kunst der Überzeugung und konstante Selbstreflexion.
Agiles Arbeiten im Team als Schlüssel zur lateralen Führung im Produktmanagement
Wenn du das Wort „Agile“ hörst, denkst du wahrscheinlich an Sprints, Daily Standups und Burndown-Charts. Vielleicht auch: „Wir haben das probiert, das funktioniert bei uns nicht.“
Aber die echte Stärke von agiles Arbeiten im Team liegt nicht in Scrum als Prozess. Sie liegt in den Prinzipien, die Scrum umsetzt.
86% der Software-Teams haben agile Ansätze übernommen. Das ist enorm. Aber nur 13% der Organisationen berichten von voller Top-Management-Unterstützung. Das echte Problem ist nicht die Methodologie, sondern die Kultur.
Agile Prinzipien funktionieren für laterale Führung im Produktmanagement, weil sie gemeinsame Verantwortung statt hierarchischer Kontrolle etablieren. Das ist das Gegenteil von „ich befehle, du machst.“ Das ist „wir haben ein gemeinsames Problem, lass uns zusammen eine Lösung finden.“
Die 5 Vorteile von agiles Arbeiten im Team für Produktmanager*innen
Agiles Arbeiten im Team funktioniert für die Kunst der Überzeugung, weil es fünf konkrete Vorteile schafft, die direkt zu besseren Ergebnissen führen.
Vorteil 1: Gemeinsames Ownership schafft intrinsische Motivation
In klassischen Teams arbeitet jedes Mitglied isoliert. Das Endergebnis ist funktional, aber ohne echte Leidenschaft. In agilen Teams sitzt das Team zusammen. Jeder versteht das Big Picture. Das Resultat: Höhere Motivation, bessere Endergebnisse, mehr Spaß.
Warum? Weil Menschen nicht für Aufgaben arbeiten, sie arbeiten für Ziele. Wenn du nur deine Aufgabe kennst (Feature A implementieren), ist es eine Anweisung. Wenn du die Vision kennst (wir helfen Nutzer*innen, Zeit zu sparen), ist es ein Purpose. 47% Verbesserung der Produktivität kommt von diesem Ownership, nicht von besseren Werkzeugen, sondern von gemeinsamer Verantwortung. Das ist Führen ohne Führungsverantwortung in Aktion.
Vorteil 2: Schneller starten durch iterative Vorgehensweise
Klassisches Denken: „Wir müssen ALLES planen bevor wir starten.“
Agiles Denken: „Wir planen genug zum Starten. Danach lernen wir schneller als wir planen können.“
Teams arbeiten 25% produktiver, wenn sie agil arbeiten. Sie werden 50% schneller am Markt.Warum? Weil du nicht 4 Wochen in Planung investierst, um dann zu erkennen, dass dein Verständnis falsch war. Für die Kunst der Überzeugung bedeutet das: Weniger Meetings zum „Abstimmen“, weil du parallel abgestimmt hast.
Vorteil 3: Kundenwert-Fokus statt Feature-Overload
In klassischen Prozessen fragst du: „Welche Features brauchen wir?“
In agilen Prozessen fragst du: „Welchen Wert liefern wir dem Kunden?“
Feature-Fokus führt zu Überfluss. Wert-Fokus führt zu Eleganz. 93% der agilen Unternehmen berichten von verbesserter Kundenzufriedenheit, nicht weil Agile magisch ist, sondern weil der kontinuierliche Kundenfokus zu besseren Entscheidungen führt. Du brauchst nicht zu „überreden“, dass Kundenfokus wichtig ist, wenn das Team kontinuierlich echtes Kundenfeedback sieht. So unterstützt agiles Arbeiten im Team die Kunst der Überzeugung natürlich.
Vorteil 4: Funktionsübergreifende Zusammenarbeit statt Silodenken
In klassischen Strukturen arbeiten Teams in Silos. In agilen Teams arbeitet ihr zusammen an einem kleinen Problem. Das ist existenziell anders.
34% höhere Performance bei Organisationen mit funktionsübergreifenden Teams. Die qualitativen Effekte sind noch größer: bessere Abstimmung, gegenseitige Unterstützung, geteilte Verantwortung. Das ist die Antithese zu Silodenken, und genau das braucht es für laterale Führung im Produktmanagement.
Vorteil 5: Kontinuierliche Integration = schnelleres Lernen
Wenn du jeden Sprint etwas Reales shippst, lernst du schneller. Fehler entstehen früher (was gut ist, frühe Fehler sind billiger). Du kannst schneller pivotieren. Teams werden smarter durchs Umsetzen statt durchs Planein.
| Vorteil | Messbarer Impact | Relevanz für Laterale Führung |
| Gemeinsames Ownership | +47% Produktivität | Intrinsische Motivation statt Anweisung |
| Schneller Starten | 50% schneller TTM | Weniger Abstimmungs-Meetings |
| Kundenwert-Fokus | 93% Zufriedenheit | Team versteht das Warum |
| Cross-Funktionale Teams | 34% höhere Performance | Baut Silos ab, schafft Zusammenhalt |
| Kontinuierliche Integration | Fehler früher erkannt | Team wird smarter durchs Tun |
Praktische Strategien: So überzeugst du ohne Autorität
Strategie 1: Active Listening & radikale Empathie
Das ist die Basis. Du kannst nicht überzeugend führen, wenn du nicht wirklich verstehst, wo die andere Person steht.
Active Listening heißt: Die andere Person vollständig ausreden lassen, nicht mental schon die Antwort vorbereiten, Fragen stellen um zu verstehen (nicht um zu widerlegen), ihre Perspektive würdigen, auch wenn du nicht einverstanden bist.
Praktisch: Bevor du im Standup entscheidest, welche Feature mit welcher Priorität kommt, fragst du: „Engineering, was beschäftigt euch am meisten? Design, wo seht ihr die größten Probleme? Sales, was hört ihr von Kunden?“ Nicht um die Entscheidung abzugeben, sondern um echtes Verständnis zu entwickeln.
Radikale Empathie heißt: Du kannst die Logik von Engineering verstehen, auch wenn du anderer Meinung bist.
Beispiel: Engineering sagt „Das ist unmöglich in 2 Wochen.“
Nicht-empathisch: „Naja, wir müssen es trotzdem versuchen.“
Empathisch: „Ich verstehe, dass das eine große Aufgabe ist. Gibt es einen Weg, das zu vereinfachen, ohne die Qualität zu opfern?“Das ist der Unterschied zwischen „dir widersprechen“ und „zusammen eine Lösung finden.“ Das ist die Kunst der Überzeugung auf höchster Ebene.
Strategie 2: Storytelling statt Feature-Listen
Menschen erinnern sich an Stories, nicht an Kennzahlen.
Statt: „Wir brauchen diese API-Performance zu verbessern, weil unsere P95-Latenz 2,5 Sekunden ist.“
Lieber: „Sarah nutzt unser Produkt auf dem Smartphone mit 3G-Verbindung. Sie muss 5 Sekunden warten. Das ist lang genug, dass sie denkt, etwas ist kaputt. Sie schließt die App. Das passiert unseren Nutzer*innen hundertfach pro Tag.“
Wenn du ein Problem mit einer Story framest, verstehen andere automatisch, warum es wichtig ist. Keine Überzeugung nötig, nur Verständnis. Das ist die Kunst der Überzeugung ohne Druck.
Strategie 3: Datenbasierte Argumentation
Data ist dein bester Freund bei lateraler Führung im Produktmanagement. Es ist nicht „der Produktmanager will das“ sondern „die Daten zeigen, dass das für Kunden wichtig ist.“
Konkret: User-Interviews („3 von 5 Nutzer*innen haben dieses Problem genannt“), Analytics („48% der Nutzer brechen an diesem Punkt ab“), Kundenfeedback („Das Feature war der Top-Request von der letzten Quarterly Business Review“).
Data schafft Objektivität. Das macht es leichter zu sagen „okay, das ist tatsächlich wichtig“ statt „der Produktmanager will das, aber ich glaube das nicht.“
Strategie 4: Das Currency Exchange Model in der Praxis
Du kannst nicht befehlen. Aber du kannst tauschen.
Du bringst: Klarheit über die Vision, Zugang zu Kundenfeedback, Schutz von Stakeholder-Noise, Unterstützung bei Problemen.
Du erhältst: Engineering-Support, Design-Priorisierung, Sales-Alignment, Marketing-Unterstützung.
Das ist gegenseitiges Vertrauen aufbauen: „Wenn ich dir gebe, was du brauchst, kannst du mir geben, was ich brauche.“ Das funktioniert, wenn beide Seiten verstehen, dass es ein echter Austausch ist, nicht Manipulation.
Strategie 5: Transparenz & Psychological Safety
Teams mit hoher psychologischer Sicherheit erreichen 10x mehr Patente. Mitarbeiter*innen sind 76% engagierter. 20% Produktivitätssteigerung.
Psychologische Sicherheit ist der Raum, in dem Menschen Fehler machen dürfen, ohne Angst vor Repressalien zu haben.
Für die Kunst der Überzeugung bedeutet das: „Das ist keine gute Idee, lass uns anders überlegen“ statt „Das funktioniert nicht, du bist falsch“, der Ton macht’s. Führen ohne Führungsverantwortung braucht diesen sicheren Raum.
Strategie 6: Frühe Einbindung statt spätes Alignment
Wenn Engineering erst bei der fertigen Spezifikation um Input gefragt wird, fühlt sich das wie „eure Opinion wird nicht gehört“ an. Wenn du Engineering früh einbindest, fühlt sich das wie „wir denken zusammen“ an.
Praktisch: Donnerstag schreibst du einen Entwurf. Freitag gibt Engineering Input. Montag überarbeitest du. Dienstag geht die Story in den Sprint. Das sind zwei extra Days statt 10 Days Alignment später. Das ist agiles Arbeiten im Team in der Praxis.
Trust Building: Die Währung der lateralen Führung im Produktmanagement
Vertrauen ist kein Nice-to-Have. Es ist die Basis für laterale Führung im Produktmanagement.
Die 4 Säulen des Vertrauens
- Glaubwürdigkeit: Du weißt, wovon du redest. Du haltest deine Versprechen ein.
- Zuverlässigkeit: Du machst, was du sagst. Du bist konsistent.
- Emotionale Verbindung: Du öffnest dich. Du zeigst Vulnerabilität. Du interessierst dich für Menschen, nicht nur Projekte.
- Niedrige Selbstorientierung: Es geht um das Team und den Produkterfolg, nicht um dich.
Konkrete Trust-Building-Praktiken
- Regelmäßige Einzelgespräche mit jedem Funktionsbereich (nicht nur wenn es Probleme gibt)
- Share Your Thinking: zeige, wie du Entscheidungen triffst
- Admitting You Don’t Know: „Das weiß ich nicht, aber ich finde es heraus“ ist vertrauensbildender als Vortäuschung
- Celebration von Erfolgen, nicht nur deine, sondern die anderer
- Sichere Räume für Kritik: „Ich hätte das anders gemacht, weil…“ wird mit Interesse gehört
Fazit
Laterale Führung im Produktmanagement ist nicht dein Problem. Sie ist deine Superkraft.
Während andere Manager*innen Befehle erteilen und darauf vertrauen, dass sie befolgt werden, musst du tatsächlich führen. Du musst verstehen, was die andere Person reizt. Du musst Kontexte schaffen, in denen Menschen eigenverantwortlich die richtigen Entscheidungen treffen. Du musst Vertrauen aufbauen, nicht nur Anordnungen geben.
Das ist anstrengend. Aber es funktioniert, und zwar besser als traditionelle Führung. 77% der leistungsstarken Produkte verdanken ihren Erfolg geschickter laterale Führung im Produktmanagement.
Für dich konkret bedeutet das: Du gewinnst nicht über deinen Jobtitel, sondern über Klarheit(Menschen verstehen, warum etwas wichtig ist), Kontexte (das Team hat alle Informationen, um gut zu entscheiden), und Konsequenz (du machst, was du sagst, immer wieder).
Nutze agiles Arbeiten im Team dafür: Kurze Zyklen, transparente Backlogs, gemeinsame Reviews, regelmäßige Retrospektiven. Das funktioniert auch, wenn dein Unternehmen nicht „offiziell agil“ ist.
Und baue bewusst an deinen Beziehungen zu Schlüsselpersonen. Das ist nicht Networking, das ist dein Fundament. Regelmäßige Einzelgespräche, echtes Interesse, Vulnerabilität wenn es passt, Zuverlässigkeit immer.
Das klingt einfach. Aber es braucht Konsequenz. Starte diese Woche: Mache einen Daily Standup mit deinem Team. 15 Minuten. Alle am gleichen Ort. Was machen wir? Was machen wir heute? Wo sind wir blockiert?
Das ist die Kunst der Überzeugung und laterale Führung im Produktmanagement in Aktion.
Häufig gestellte Fragen zur lateralen Führung im Produktmanagement (FAQ)
Laterale Führung im Produktmanagement beschreibt das Führen ohne formale Weisungsbefugnis, du beeinflusst Entscheidungen über Vision, Daten, Beziehungen und Expertise, nicht über Hierarchie. Als Produktmanager*in triffst du Entscheidungen für ein Produkt, über dessen Entwicklung du aber nicht entscheiden darfst. Du führst durch die Kunst der Überzeugung, nicht durch Anordnung.
Flachere Hierarchien, Remote-Arbeit und funktionsübergreifende Teams sorgen dafür, dass immer mehr Verantwortung in Rollen ohne direkte Personalverantwortung landet, insbesondere im Produktmanagement. Gleichzeitig werden Organisationen dezentraler: Entscheidungen treffen nicht mehr ein einzelner CEO, sondern Teams an verschiedenen Stellen. Das braucht Produktmanager*innen, die Führen ohne Führungsverantwortung können.
Die wichtigsten sind Kommunikationsstärke (Storytelling, Active Listening), Stakeholder-Management (Konflikte moderieren, Bedürfnisse verstehen), Business-Acumen (datenbasierte Entscheidungen) und Selbstreflexion (deine eigenen Grenzen kennen). Skills wie Empathie und Transparenz sind genauso kritisch wie analytisches Denken, beides braucht man. Das ist die Kunst der Überzeugung kombiniert mit harter Analyse.
Setze auf kurze Zyklen (2-Wochen-Sprints statt Quarterly Planning), transparente Backlogs (jeder sieht, woran wir arbeiten und warum), gemeinsame Reviews (das Team sieht zusammen, was wir gebaut haben) und Retrospektiven (das Team lernt gemeinsam). Selbst im hybriden Setup erhöhen diese Praktiken Ownership, Alignment und Lern-Geschwindigkeit deutlich.
Kläre Rollen explizit (was entscheide ich, was entscheidest du, wie treffen wir gemeinsame Entscheidungen?), mache deinen Wert über Daten und Kunden-Insights sichtbar, und investiere bewusst in Einzelgespräche zu Schlüsselpersonen. Die meisten Konflikte entstehen aus Unklarheit, nicht aus echter Rivalität. Das ist Führen ohne Führungsverantwortung im realen Test.
Wenn strukturelle Entscheidungen (Budget, Teamzuschnitt, Governance) dauerhaft deine Produktergebnisse blockieren, stößt laterale Führung im Produktmanagement an Grenzen. Dann brauchst du Executive Sponsorship oder formale Anpassungen. Aber vor diesem Punkt solltest du alle lateralen Hebel gezogen haben.
Weiterführende Ressourcen
- „Influence Without Authority“ von Allan Cohen & David Bradford – Das Standardwerk zum Currency Exchange Model und praktischen Strategien für Führung ohne formale Macht. Essential Reading für PMs, um laterale Führung im Produktmanagement zu verstehen.
- Google’s Project Aristotle – Die umfassendste Studie zu psychologischer Sicherheit als kritischem Erfolgsfaktor für Hochleistungsteams. Empirisch fundiert und zeigt, warum Vertrauen und nicht Prozesse den Unterschied machen, besonders bei agiles Arbeiten im Team.
- Barbara Bucksch – Die Befähigerin – Expertin für agiles Arbeiten mit über 10 Jahren Coaching-Erfahrung. Sie kombiniert agile Methodik mit praktischer Teamführung, genau der richtige Ansatz für die Kunst der Überzeugung.
- „The Fearless Organization“ – Amy C. Edmondson (Buch) – zu psychologischer Sicherheit und wie man Kulturen schafft, in denen Menschen ehrlich kommunizieren und Risiken eingehen.