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Usability im Produktmanagement: Warum sie über Erfolg und Scheitern entscheidet

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Bernadette

17. Februar 2026

Welche Rolle spielt Usability im Produktmanagement

Gebrauchstauglichkeit ist kein „nice to have“, sondern ein zentraler Hebel für Produkterfolg, Risiko-Reduktion und nachhaltige Wettbewerbsfähigkeit. Usability im Produktmanagement bedeutet, Produkte so zu entwickeln, dass Anwender ihre Ziele effektiv, effizient und mit Zufriedenheit im realen Nutzungskontext erreichen, und zwar messbar über klare Kriterien für Gebrauchstauglichkeit statt subjektiver Geschmacksdiskussionen. In regulierten Branchen wie der Medizintechnik ist dieser Fokus besonders kritisch, weil Usability Engineering dort nicht nur ein Erfolgsfaktor, sondern über Normen wie IEC 62366-1 sogar regulatorische Pflicht ist und direkt über Zulassungsfähigkeit und Patientsicherheit mitentscheidet.

Stell dir vor, du bereitest ein wichtiges Online-Meeting vor und im Hintergrund piepst deine Waschmaschine im Dauerton, bis du kurz davor bist, die Nerven zu verlieren. Genau diese Art nerviger, unbedachter Interaktion begegnet uns auch in professionellen Produkten: unlogische Displays, kryptische Fehlermeldungen, OP-Tische mit schlecht durchdachten Zusatzfunktionen, Hotelarmaturen, die niemand auf Anhieb versteht. Ob sich ein Produkt für den vorhergesehenen Zweck eignet oder nicht, macht den Unterschied zwischen „funktioniert irgendwie“ und „unterstützt den Menschen wirklich bei seiner Aufgabe“.



Was Usability wirklich bedeutet

Gebrauchstauglichkeit wird oft mit „sieht gut aus“ verwechselt, dabei geht es um etwas Fundamentaleres: Wie gut kann eine Anwenderin*in ein Ziel mit deinem Produkt wirklich erreichen, im Alltag, unter realen Bedingungen, nicht nur im Happy Path im Lastenheft.

Die ISO 9241-11 definiert Gebrauchstauglichkeit über drei Dimensionen, die sich im Produktmanagement hervorragend als Leitplanken nutzen lassen:

  • Effectiveness (Effektivität): Können User ihre Aufgaben vollständig und korrekt erledigen, ohne unnötige Hürden oder Fehlbedienungen.
  • Efficiency (Effizienz): Wie viel Zeit, Klicks, Wege, körperliche oder mentale Anstrengung braucht es, um ans Ziel zu kommen.
  • Satisfaction (Zufriedenheit): Wie zufrieden, sicher und „richtig“ fühlt sich die Nutzung für die User an.

Weitere Aspekte, die für Produktmanager*innen wichtig sind:

  • Accessibility (Barrierefreiheit): Können auch Personen mit Einschränkungen dein Produkt bedienen.
  • Fehlertoleranz & Sicherheit: Wie gut schützt dein Produkt vor Bedienfehlern und deren Folgen.
  • User Experience (UX): Das ganzheitliche Erleben, inklusive Emotion, Vertrauen, Ästhetik und Markenwahrnehmung.

Ein Produkt kann fachlich und funktional komplett sein und trotzdem im Alltag scheitern, wenn Effektivität, Effizienz oder Zufriedenheit im Nutzungskontext ignoriert werden. Usability im Produktmanagement anzuwenden bedeutet, diese Dimensionen konsequent zu berücksichtigen.


Gebrauchstauglichkeit vs. User Experience: Wo der Unterschied für dich zählt

Usability und User Experience werden gerne in einen Topf geworfen, erfüllen aber unterschiedliche Rollen in der Produktentwicklung.

  • Gebrauchstauglichkeit fokussiert auf die Frage: „Kann der User seine Aufgabe effektiv, effizient und zufriedenstellend erledigen?“, messbar, testbar, mit klaren Erfolgskriterien.
  • User Experience (UX) umfasst das gesamte Erleben: Erwartungen vor der Nutzung, Interaktion während der Nutzung und Nachwirkungen (z.B. Weiterempfehlung, Vertrauen, Markenbindung).

Ein kritischer Aspekt, der oft übersehen wird, ist die zeitliche Dimension des Nutzererlebnis, die sich grob in drei Phasen gliedern lässt:

Anticipated Use (Antizipierte Nutzung)

  • Erwartungshaltung basierend auf Marketing, Produktversprechen, früheren Erfahrungen, Empfehlungen.
  • UX-Frage: Was versprichst du, und was „sehen“ die User im Kopf, bevor sie dein Produkt jemals berühren.

Actual Use (Tatsächliche Nutzung)

  • Hier schlägt die Stunde der Gebrauchstauglichkeit: funktionieren Aufgabenflows, Fehlermeldungen, Interaktionen wirklich im Alltag.
  • Produktmanagement-Frage: Erreicht der/die Anwender*in sicher und effizient sein Ziel, auch unter Stress, Müdigkeit, Zeitdruck.

Perception and Responses to Use (Wahrnehmung und Reaktionen)

  • Wie bewerten User im Nachgang ihr Erlebnis: Vertrauen, Frust, Begeisterung, Weiterempfehlungsbereitschaft.​
  • Business-Effekt: Wiederkauf, Churn, Bewertungen, Mundpropaganda, Markenbild.​

Ohne solide Usability kann es keine gute User Experience geben, aber gute Eignung eines Produkts alleine reicht nicht, um eine begeisternde UX zu erzeugen, dafür braucht es zusätzlich ein stimmiges Gesamtbild aus Marke, Emotion und Erwartungsmanagement.

Quelle: Michael Engler, Benkana Interfaces

Usability Engineering: Vom Bauchgefühl zum systematischen Prozess

Usability Engineering ist ein systematischer Prozess, mit dem du Gebrauchstauglichkeit planbar machst, statt „Wir hoffen, dass es für die User passt“.

Typische Schritte in einem auf Benutzerfreundlichkeit fokussierten Entwicklungsprozess:

  • Nutzungskontext analysieren: Wer benutzt das Produkt, mit welchen Zielen, in welcher Umgebung (Stress, Lärm, Licht, Hilfsmittel).
  • Use Scenarios und hazard-related use scenarios ableiten: Welche typischen Aufgaben gibt es, welche Fehler sind wahrscheinlich, welche Risiken entstehen daraus.
  • Usability-Anforderungen definieren: z.B. max. Fehlerrate, zulässige Bearbeitungszeiten, notwendige Rückmeldungen und Warnungen.
  • Konzeption, Prototyping und vorgelagerte Tests: Iteratives Design mit Papierprototypen, Klick-Dummies oder Funktionsmustern, begleitet von Usability-Tests.
  • Nachgelagerte Validierung: Nachweis, dass das finale Produkt die definierten Usability-Ziele im vorgesehenen Nutzungskontext erfüllt.

In sicherheitskritischen Bereichen wie Medizintechnik, Luftfahrt oder Automotive kommt der Faktor Human Factors dazu: Wie reagieren Menschen unter Stress, Ermüdung, Ablenkung, und wie muss das Produkt darauf reagieren. Usability Engineering wird hier zur Überlebensfrage.


Normen, Regulierung und Risiko (Fokus Medizintechnik)

In der Medizintechnik ist Usability Engineering keine „Good Practice“, sondern regulatorische Pflicht.

Die Norm IEC 62366-1 legt fest, wie ein auf Benutzerfreundlichkeit fokussierter Entwicklungsprozess für Medizinprodukte umzusetzen ist.

  • Ziel: Gebrauchstauglichkeit so gestalten, dass durch Benutzungsfehler keine unvertretbaren Risiken für Patient*innen, Anwender*innen oder Dritte entstehen.
  • Inhalt: Vorgaben, wie Nutzungskontext, „use scenarios“ und „hazard-related use scenarios“ identifiziert, Anforderungen abgeleitet und mit Usability-Methoden validiert werden.

Die Norm ist eng mit Risikomanagement-Standards wie ISO 14971 verknüpft, die sich mit Sicherheitsrisiken von Medizinprodukten befassen. Die Erfahrung zeigt: Wenn Benutzerfreundlichkeit ernst genommen wird, sinkt die Wahrscheinlichkeit von Anwendungsfehlern, Beinahe-Vorfällen und Rückrufen deutlich.​

Für dich als Produktmanager*in heißt das:

  • Du musst Benutzerfreundlichkeit früh in die Projektplanung einbauen.
  • Du bist mitverantwortlich für die Dokumentation (z.B. Usability Engineering File) und die Verknüpfung mit Risiko-Betrachtungen.
  • Du kannst Usability-Zwischenergebnisse nicht „abschneiden“, ohne Zulassung und Sicherheit zu gefährden.

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Rolle von Produktmanager*innen: Verantwortung, Hebel und typische Fehler

Produktmanager*innen sind in vielen Organisationen die natürliche Schnittstelle zwischen Markt, Entwicklung, Regulatory, Vertrieb und UX. Die Erfahrung zeigt: Dort, wo Usability als Kern-Aufgabe versteht, steigen Produktqualität, Akzeptanz und Business-Impact messbar.

Kunde vs. Anwender: Die entscheidende Unterscheidung

Gerade im B2B sind die Personen, die Kaufentscheidungen treffen, häufig nicht diejenigen, die später täglich mit dem Produkt arbeiten.

  • Kunde: z.B. Einkauf, Leitung OP, Produktionsleitung, CIO.
  • Anwender: z.B. OP-Personal, Maschinist*in, Pflegekraft, Mitarbeitende im Backoffice.

Als Produktmanager*in musst du beide Perspektiven kennen, aber für Eignung des Produkts zählt vor allem der tatsächliche Anwender. Ein kritischer Fehler, der oft gemacht wird, ist, nur die Anforderungen der Entscheider*innen in Lastenhefte und Roadmaps zu übernehmen, ohne zu prüfen, ob Anwender*innen damit ihre Aufgaben wirklich gut erledigen können.

Typische Anti-Patterns im Umgang mit Gebrauchstauglichkeit

  • Feature-Listen statt Nutzungskontext: „Was“ wird wichtiger als „Wie wird es benutzt?“.
  • „Expert Bias“: Teams testen nur intern und unterschätzen, wie schwer das Produkt für Nicht-Expert*innen ist.
  • Späte „Abnahme-Tests“: Die Eignung des Produkts für seinen vorhergesehenen Zweck wird nur am Ende geprüft, wenn Änderungen teuer sind.
  • Kein Budget für Research: Marktforschung wird auf Pitch-Deck-Level reduziert, statt echten Nutzungskontext zu untersuchen.

Das folgende Video demonstriert anschaulich, was echter Nutzungskontext mit echten Nutzer bedeutet:

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Mehr Informationen

Kulturabhängigkeit von Gebrauchstauglichkeit bei globalen Produkten

Ein kritischer Aspekt für global vermarktete Produkte ist die Kulturabhängigkeit.

Beispiele, die das deutlich machen:

  • Rote Not-Aus-Taste in Japan: In vielen westlichen Kulturen steht Rot für Gefahr oder Stopp, in Japan hingegen u.a. für Anfang und Neubeginn, beeinflusst Interpretation von Bedienelementen.
  • Türknäufe in den USA: Deutsche Nutzer*innen assoziieren runde Knäufe häufig mit „nur mit Schlüssel zu öffnen“, während drehbare Knäufe in Nordamerika Standard sind.
  • Informationsdichte auf Interfaces: Nutzer*innen aus Ostasien akzeptieren oft höhere Informationsdichte, während deutschsprachige Nutzer*innen dieselben Screens als überladen empfinden.

Forschung zu kulturellem Einfluss auf UX zeigt: Symbole, Farben, Metaphern, Navigationslogik und Informationsdichte variieren je nach Kultur. Für Usability im Produktmanagement heißt das:

  • Usability-Tests müssen in den Zielmärkten mit lokalen Usern stattfinden.
  • Lokalisierung umfasst auch Interaktionsmuster, nicht nur Sprache.
  • Globale Designs brauchen Spielräume für lokale Anpassung (z.B. Farbschemata, Iconsets).

Methoden & KPIs: Wie du Usability messbar machst

Der Methodenkoffer von Usability-Expert*innen ist groß, als Produktmanager*in musst du nicht alles selbst ausführen, aber wissen, wann welche Methode sinnvoll ist.

Qualitative Methoden

  • Kontextinterviews & Feldstudien
    • Ziel: Nutzung in der realen Umgebung beobachten, implizite Abläufe und Workarounds erkennen.
    • Output: Personas, Kontextbeschreibungen, kritische Szenarien, Risiko-Hotspots für den Gebrauch
  • Fokusgruppen
    • Gruppeninterviews mit Ziel-Usern, um Erwartungen, Sprachgebrauch, mentale Modelle und Reaktionen auf Konzepte zu verstehen.
  • Expertenreviews / Heuristische Evaluation
    • UX-Expert*innen prüfen Prototypen anhand etablierter Heuristiken (z.B. Nielsen-Heuristics) und Normen, um Gebrauchstauglichkeit zu validieren.

Quantitative Methoden & KPIs

  • Usability-Tests mit Prototypen oder Live-Systemen
    • Definierte Aufgaben, Beobachtung, Messung von Erfolgsquote, Zeit, Fehlern, subjektiver Zufriedenheit, um Gebrauchstauglichkeit zu bewerten.
  • Standardisierte Fragebögen wie SUS (System Usability Scale)
    • Liefern einen Usability-Score von 0–100, der gut für Vergleiche und Langzeit-Tracking geeignet ist.

Typische UX-/Usability-KPIs im Produktmanagement:​

  • Task Success Rate (Aufgabenerfolgsrate): Erreichen User ihr Ziel.
  • Time on Task (Benötigte Zeit pro Aufgabe): Ein Kernindikator für Usability.
  • Error Rate (Fehlerrate pro Aufgabe): Wie häufig machen User Fehler.
  • Abbruchquote (Drop-off bei kritischen Flows): Wo bricht das Nutzererlebnis zusammen.
  • SUS-Score, CSAT (Customer Satisfaction), NPS (Net Promoter Score): Zufriedenheitsmessungen für dein Produkt.

Diese KPIs kannst du direkt mit Produktzielen (z.B. Conversion, Churn, Supportkosten) verknüpfen und so den Business-Impact von Usability sichtbar machen.


Usability Engineering entlang des Produktentstehungsprozesses verankern

Ein häufiger Fehler ist, die Eignung eines Produktes für seinen vorhergesehenen Zweck nur kurz vor dem Launch zu „testen“, oft aus Zeitdruck oder Budgetgründen. Die Folge: teure Nachbesserungen, Kompromisse oder Problem-Features, die jahrelang mitgeschleppt werden.

Die Erfahrung aus regulierten Branchen zeigt, dass der Return on Investment umso größer ist, je früher Usability Engineering eingesetzt wird.

Phasenorientierter Ansatz für Usability Engineering

  1. Discovery / Ideation
    • Kontextanalyse, Stakeholder-Mapping, User-Recruiting, Feldbesuche.
    • Ziel: Verstehen, welche Aufgaben, Risiken, Umgebungen und mentalen Modelle wirklich existieren, um die Eignung eines Produkts für seinen vorhergesehenen Zweck am Anfang zu verankern.
  2. Konzeptphase
    • Low-Fidelity-Prototypen (Skizzen, Klick-Dummies), frühe Usability-Tests, heuristische Evaluationen.
    • „Schöner scheitern“: Probleme jetzt entdecken, nicht im finalen Produkt. Diese Phase ist kritisch für frühe Erkenntnisse zur Eignung eines Produktes für seinen vorhergesehenen Zweck.
  3. Design & Entwicklung
    • Iterative Verfeinerung der UI, vorgelagerte Usability-Tests bei relevanten Meilensteinen.
    • Abgleich mit Normen (z.B. IEC 62366-1 in der Medizintechnik), Risikobetrachtung von Bedienfehlern, um Gebrauchstauglichkeit sicherzustellen.
  4. Validierung / Zulassung / Markteintritt
    • Nachgelagerte Usability-Validierung mit repräsentativen Nutzer*innen im vorgesehenen Kontext.
    • Dokumentation der Ergebnisse für Zulassungsbehörden bzw. interne Freigaben, zentral für Usability in regulierten Branchen.
  5. Post-Market / Continuous Discovery
    • Analyse von Vorfällen, Beschwerden, Supporttickets, Nutzungsdaten.
    • Ableitung von Verbesserungen und Re-Designs für zukünftige Versionen, um User Experience kontinuierlich zu optimieren.

Ein kritischer Aspekt, der oft übersehen wird, ist die strukturelle Verankerung: Usability Engineering gehört in Roadmap-Gespräche, in Business-Cases und in Definition-of-Done, nicht nur in UI-Reviews.


Konkrete Handlungsempfehlungen für Produktmanager*innen

Damit aus „Wir wissen, dass Usability im Produktmanagement wichtig ist“ gelebte Praxis wird, kannst du als Produktmanager*in gezielt folgende Schritte gehen.

1. Usability als Produktziel definieren

  • Formuliere klare, messbare Usability-Ziele (z.B. „80% der User schließen Aufgabe X in unter 2 Minuten mit maximal 1 Fehler ab“).
  • Verankere diese Ziele in Epics, OKRs oder Business-Cases, statt sie als „Qualität am Ende“ zu betrachten.

2. Den Nutzungskontext systematisch erfassen

  • Entwickle Use Scenarios und „hazard-related use scenarios“, insbesondere bei sicherheitskritischen Produkten.
  • Dokumentiere Umgebungsbedingungen, Nutzergruppen und Risiken in einer strukturierten Form.

3. Frühe Prototypen testen – „schöner scheitern“

  • Plane mindestens einen Usability-Test pro wesentlichem Funktions-Cluster, bevor das UI finalisiert wird.
  • Nutze einfache Mock-Ups, um schnell zu lernen und Gebrauchstauglichkeit zu validieren, statt in Pixel-Perfektion zu investieren.

4. Kulturabhängigkeit aktiv berücksichtigen

  • Lege für globale Produkte pro Zielmarkt Test-Samples mit lokalen Usern fest.
  • Überprüfe Symbole, Farb-Codes, Metaphern und Informationsdichte gezielt auf kulturelle Passung für User Experience.

5. Usability-Expertise ins Team holen

  • Arbeite eng mit UX-Designer*innen und Usability-Expert*innen zusammen, etwa mit spezialisierten Beratungshäusern wie Benkana Interfaces.
  • Nutze externe Schulungen zum Thema Usability Engineering und IEC 62366-1.

6. Usability-Findings in Entscheidungen priorisieren

  • Verknüpfe Usability-Findings mit Risiko– und Wert-Betrachtung: Was ist sicherheitskritisch, was hat hohen Business-Impact.
  • Nutze diese Bewertung aktiv in Roadmap- und Priorisierungsrunden, nicht als „Nice-to-Have-Backlog“.

Häufige Fragen zu Usability im Produktmanagement (FAQ)

Usability ist die Fähigkeit eines Produkts, Anwender*innen zu ermöglichen, ihre Ziele effektiv, effizient und zufriedenstellend im vorgesehenen Nutzungskontext zu erreichen.

Gebrauchstauglichkeit konzentriert sich auf die Aufgabenerledigung (Effektivität, Effizienz, Zufriedenheit), während User Experience das gesamte Erleben rund um Erwartungen, Emotionen und Markenwahrnehmung einschließt.

Typische Usability-KPIs sind Task Success Rate, Time on Task, Error Rate, Abbruchquote, SUS-Score sowie Zufriedenheitswerte wie CSAT oder NPS für zentrale Journeys. Diese messen direkt die Gebrauchstauglichkeit deines Produkts.

Binde Research und Usability-Tests in jede Iteration ein, plane dedizierte Discovery-Slices, nutze Definition-of-Ready/-Done für Gebrauchstauglichkeitskriterien und verknüpfe Findings direkt mit Product Backlog Items.

IEC 62366-1 definiert den verbindlichen auf Gebrauchstauglichkeit fokussierten Entwicklungsprozess für Medizinprodukte und ist zentral für Zulassungsfähigkeit, Risikoreduktion und Dokumentation, Produktmanager*innen tragen hier fachliche und prozessuale Verantwortung.

Viele UX-Quellen empfehlen kleine Stichproben von 5–8 repräsentativen Nutzer*innen pro Zielgruppe, um die meisten gravierenden Nutzerfehler früh zu finden; für nachgelagerte Studien können größere Stichproben notwendig sein.

Ja, gute Gebrauchstauglichkeit reduziert Einarbeitungszeiten, Fehler, Rückfragen und Frust bei Mitarbeitenden und steigert damit Produktivität und Zufriedenheit, gerade bei komplexer B2B-Software ist das ein enormer Hebel für User Experience.

Plane Tests mit lokalen Usern in den Zielmärkten, hinterfrage Symbole, Farben, Metaphern und Informationsdichte und lass dir von lokalen Expert*innen oder Partnern helfen, kulturelle Normen zu verstehen, um Usability global zu optimieren.


Weiterführende Ressourcen

  • DIN EN ISO 9241-11 – Ergonomie der Mensch-System-Interaktion – Teil 11: Benutzungsqualität (Usability); Grundlegende Definition mit Effektivität, Effizienz und Zufriedenheit für eine gute Eignung eines Produkts für seinen vorhergesehenen Zweck.
  • IEC 62366-1 – Medical devices – Application of usability engineering to medical devices: Zentrale Norm, die Usability Engineering als verpflichtenden Prozess in der Medizintechnik beschreibt.

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Das Gesicht hinter dem Beitrag

Portrait

Bernadette

Trainerin & Facilitatorin

Bernadette von Wittern ist Gründerin der PRODUCT LOUNGE und Expertin für strategisches Produktmanagement. Mit ihrer langjährigen Erfahrung in der hochregulierten Medizintechnik vereint sie tiefes Anwenderverständnis mit betriebswirtschaftlicher Präzision. Als Business Trainerin und LEGO® SERIOUS PLAY® Facilitatorin unterstützt sie Produktmanagement-Teams dabei, kommunikative Hürden zu überwinden und durch fachliche Kompetenz sowie klare Rollenverteilung nachhaltigen Markterfolg zu erzielen.

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